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IAAF-Cross in BrĂ¼ssel 2005

Ab November geht nun wieder die Crosslauf-Saison los. Crosslauf, im englischen Cross-Country, ist in der einfachsten Definition Querfeldeinlaufen und unterscheidet sich somit wesentlich vom Laufen auf Bahn und Straße. Seinen Ursprung hat der Crosslauf im 19. Jahrhundert in Großbritannien, wo er auch heute noch eine herausragende Bedeutung hat. Paula Radcliffe z. B., die Marathon-Weltrekordlerin, hat in ihrer Karriere die ersten großen Erfolge im Crosslauf gefeiert. In Europa genießt der Crosslauf in den Benelux-Staaten, Frankreich, Spanien, Portugal und Italien einen hohen Stellenwert; in Belgien ist die Popularität sogar so groß, dass Topläufe im Fernsehen live übertragen werden. Natürlich findet man Crossläufer auch außerhalb Europas: In Marokko und Ost-Afrika (Kenia, Äthiopien) wachsen die Athleten mit dieser Trainingsform geradezu auf.

In Deutschland ist mit dem Bau vieler Leichtathletikhallen, geänderter Trainingsphilosophien und einer vielleicht zunehmenden Bequemlichkeit oder fehlender Bereitschaft sich zu quälen der Crosslauf im Laufe der Jahre in den Hintergrund gerückt. Crosslauf kann nämlich bedeuten: Hohes Gras auf ungemähter Wiese, knöcheltiefer Schlamm, Matsch, Sand, durch den sich sonst nur Rennpferde wühlen, Waldwege, mehr oder weniger breit ausgetreten, mit oder ohne Wurzeln. Als Variationen können sich auf der Strecke Baumstämme, Heuballen, kleine Gräben mit oder ohne Wasser und aufgeschüttete Hügel befinden, natürlich wird auch auf Schnee und Eis gelaufen. Die Anforderungen, die Gelände und Wetter stellen, können einem Läufer sehr viel abverlangen, was aber auch den Sinn und Zweck dieser winterlichen Wettkampfform darstellt, denn sie dient auch als Vorbereitung auf die Bahn- oder Straßenlauf-Saison. Wie die Sportler müssen sich auch die Zuschauer und Betreuer auf die jahreszeitgemäß oft widrigen Bedingungen einstellen: Gummistiefel oder gefütterte Schuhe und eine warme Jacke sind ein Muss; wie gerne wäre mancher am Rande der Strecke wohl trotz all des Dreckes mitgetrabt, um wieder warm zu werden!
Die Ansprüche, die an die Läufer gestellt werden, betreffen den Laufstil, die koordinativen Fähigkeiten, den Muskel-, Bänder- und Sehnenapparat sowie von psychologischer Seite her die Stärkung des Willens: Ja, durch diese Pampe muss man durch, diesen Berg hinauf! Es geht weg vom monotonen Langläuferschritt hin zu einem abwechslungsreichen Laufen, bei dem die Ausdauer, Kraftausdauer und Koordination geschult werden.

Bei solchen Belastungen prägt sich die Muskulatur auf besondere Art aus. So bilden sich die vielen kleine Bluthaargefäße aus, die den Sauerstoff schneller transportieren können und somit den Ermüdungswiderstand der Beine erhöhen. Außerdem stellt der Crosslauf für die Beine eine besondere, aber natürliche Form von Krafttraining dar, besonders bei Läufen im Schnee und Schlamm. Es wird nicht künstlich mit Gewichten gearbeitet, sondern der Körper arbeitet mit sich selber. Hierdurch findet eine ausgewogene Belastung von Muskulatur, Sehnen und Bändern statt, was das Verletzungsrisiko reduziert. Gleiches gilt für das Fußgewölbe, das durch die wechselnden Belastungen gestärkt wird. Die insgesamt gewonnene Kraft sorgt dafür, dass der Schritt im Sommer auf der Bahn länger ist, koordinativ sauber gelaufen werden kann und die Übersäuerung später eintritt. Und was besonders für den Marathon wichtig ist: Die mentale Stärke wird gefördert, die ab Kilometer 30 notwendig ist, um seinen Schritt weiter zu laufen und sich durchzukämpfen.

Beim Crosslauf treffen sich viele Typen von Läufern: Mittel- und Langstreckler messen sich mit Hindernis- und Straßenläufern. Die Wettkampfstrecken liegen bei den Frauen zwischen fünf und acht, bei den Männern zwischen neun und zwölf Kilometern. Die Top-Crossläufer findet man dann wiederum in den internationalen Spitzenfeldern auf der Bahn und Straße, auch im Marathonlauf.

Auf Crosswettkämpfe vorbereiten sollte man sich auf verschiedenen Böden, auch im profilierten Gelände, um sich den unterschiedlichsten Anforderungen zu stellen. Dies heißt nicht, dass man sich völlig von der Straße abwenden muss. Denn nur im Gelände zu laufen kann auf Dauer sehr ermüdend werden. Der Crosslauf am Wochenende kann oft als Tempolaufeinheit der Woche gerechnet werden. Ansonsten bilden viele ruhige Dauerläufe den Grundstock des Trainings. Im Frühjahr kann das Programm mit kurzen Intervall- oder Wiederholungsläufen ergänzt werden, um für die notwendige Schnelligkeit für die angehende Saison zu sorgen. Zielt man auf einen Marathon ab, dann dehnt man die einzelnen Trainingseinheiten auf das notwendige Maß aus. Zusätzliche Sprint-, Koordination- und Kräftigungseinheiten runden ein erfolgreiches Crosstraining ab.