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JAHRESRÜCKBLICK 2009

Das Jahr begann in Trier, wo ich am Vortag beim Silvesterlauf Fünfte geworden war, mit einem Dauerlauf in der Gruppe der Läuferschar, die in das Jahr 2009 gefeiert hatte. Aber das Vergnügen des gemeinsamen Joggings währte nicht lange, da ich auf einer Eisscholle ausrutschte und stürzte. Ich tat mir zwar nichts Ernsthaftes, lief aber den Rest allein mit Frank weiter in der eisfreien Innenstadt. Auch in den folgenden Tagen erschwerten Kälte, Eis und Schnee das Training. Pendelstrecken im Gewerbegebiet, kleine Parkrunden und Einheiten auf dem Laufband bestimmten den Trainingsalltag.

Da war ich froh, als es Mitte Januar in die (relative) Wärmen nach Chiclana (Andalusien) ging: 14 Tage im Januar und 18 Tage im Februar verbrachten Frank und ich in Spanien, wo ich Rekordumfänge abspulte. Der erste Märztag brachte Lohn für die harte Arbeit: Platz 1 in Streckenrekord- und persönlicher Bestzeit (32:28 Min.) beim „Lauf um das Bayerkreuz“ in Leverkusen. Bei der Cross-DM Mitte März in Ingolstadt wurde ich Zweite.

Läuferisch folgten –umrahmt von nochmals intensiven Marathontraining- zwei sehr unterschiedliche Halbmarathonläufe: Einer in Venlo/ NL am 22. März, wo ich auf Tempo laufen wollte, es aber heftig windete und es vom Laufrhythmus her nicht ganz harmonisch mit meinem „Kaninchen“ Jürgen ablief (aber ein beeindruckendes Foto entstand, das meine aktuelle Autogrammkarte ziert und dessen niederländischer Fotograf Jürgen auch seinen neuen Titel gab). Der nächste Halbmarathon war der im Rahmen des Paderborner Osterlaufes (11. April): Hier musste ich Einsehen, dass es bei der Hitze nicht möglich sein würde, eine neues Bestzeit aufzustellen bzw. die Marke von Venlo (1:11:44 Std.) zu verbessern. Trotzdem war es ein sehr gutes Rennen, aus dem ich Zuversicht und Selbstvertrauen mitnahm: Mit Jürgen lief es bestens, ich gewann das Rennen.

Nach einem spontanen absoluten Unterdistanzrennen (3000m am 25. April in Erkelenz in 9:13,90 Min.) stand der Höhepunkt der ersten Jahreshälfte an: der Düsseldorf-Marathon am 3. Mai. Das Rennen entsprach nur auf der ersten Hälfte Franks und meinen Vorstellungen: Nachdem ich die Halbmarathonmarke bei 1:13:24 Std. passiert hatte, wurde ich ab Kilometer 30 merklich langsamer (in den Analysen im Nachhinein war es wohl die Kälte mit Gegenwind, die mich bremste). Mit einem schnellen letzten Kilometer konnte ich doch noch eine neue Marathonbestzeit mit 2:29:22 Std. aufstellen, gewann sicher und qualifizierte mich für die WM in Berlin. Als Siegerin das Zielband zu durchlaufen ist schon ein tolles Erlebnis, das ich immer sehr genieße!

Nach einer kurzen Regenerationszeit nahm ich das Training für Berlin wieder auf, gespickt von ein paar kleineren Läufen (Mannschaftslauf in Köln, Stadtläufe in Oelde und Völklingen, RunnersPoint-Staffellauf). Die Monate Juli und August waren wieder geprägt von viel Training, zum großen Teil im Bundesleistungszentrum Kienbaum. Hier habe ich es genossen, mit vielen anderen Nationalmannschaftsathleten zusammenzutreffen, auch wenn ich mein Training im Wesentlichen allein abspulte. Nach der Reaktion des Körpers zu urteilen, war es war wohl ein bisschen zu viel des Guten: Wegen der großen Belastung entzündet sich plötzlich die Sehne, die in den Fußhebermuskel übergeht, und ich musste mit der Lauferei aussetzen. Ich fiel trainingsmäßig in ein Loch, aus dem ich trotz aller Anstrengungen nicht mehr bis zum WM-Marathon am 23. August herauskam.

So schön die Leichtathletik-WM für viele Deutsche gewesen sein mag: Für mich war sie nicht der Höhepunkt meiner Karriere: Wenn man am letzten Tag erst seinen Start hat, kann man vorher kaum ins Stadion und bekommt nur am Fernsehapparat etwas von der Veranstaltung mit; die Athletenangebote von Veranstalter, DLV und Sponsor kann man nicht wahrnehmen, da man sich ja auf seinen Wettbewerb konzentrieren soll. Von der WM bleiben mir v.a. in Erinnerung das Hotel „Berlin, Berlin“ (wo wir Marathonis wegen der späten Anreise kein Welcome-Bag des BOCB mehr bekamen) und Kienbaum, wo es zur Beginn der WM noch ein deutsches Lager gab und die ersten Medaillen bejubelt wurden, aber natürlich auch mein Auftritt, der Marathon der Frauen am 23.August. Zwar merkte ich von Anfang an, dass ich überhaupt nicht leistungsfähig war, kämpfte mich aber trotzdem durch, wobei die Menschenmassen und die ohrenbetäubende Anfeuerung mich antrieben. Insbesondere die Zielgerade war einmalig. Ich bedauere es so sehr, dass ich all den Einsatz der Zuschauer nicht mit dem Einholen der Läuferin vor mir vergelten konnte. Im Ziel, hinter dem Brandenburger Tor, war ich vollkommen erschöpft, so dass ich ob meiner Zeit nicht enttäuscht war (das kam erst am nächsten Tag zuhause, als mir bewusst wurde, dass ich langsamer als letztes Jahr in Peking gelaufen war…). Nur von Grund auf enttäuscht war ich, als ich erfuhr, dass nur zwei deutsche Läuferinnen, nämlich Mocki und ich, am Ziel angekommen waren. Und dabei waren wir mit so großen Mannschaftshoffnungen in das WM-Jahr gestartet. Sechs Läuferinnen waren nominiert wurden, vier angetreten, zwei im Ziel.
Am Sonntagnachmittag war ich noch kurz im Stadion. Wie schon an dem einen Nachmittag (Montag), an dem ich vor Ort gewesen war, gab es keine Medaille für das deutsche Team. Aber ein paar Stunden WM-Stimmung (mit der Schlussfeier) waren mir doch noch gegönnt.

Die nächsten Wochen verbrachte ich mit wenig Elan beim sehr wenigen Training: Demotiviert und mit ständigen Schmerzen: Links die Hüfte, rechts der Fuß. Wie ein Wunder sehe ich es im Nachhinein, dass ich bei der 10km-DM in Otterndorf am 12. September auftrumpfen konnte: Deutsche Meisterin in 33:44 Min., keine Schmerzen. Das war ein versöhnlicher Saisonabschluss, aber leider auch mein letztes Rennen für 2009. Denn die Schmerzen im Hüftbereich machten trotz intensiver Erholung (über ein paar Wochen kein Laufen) seitdem kein echtes Training möglich. Nach Wochen des alternativen Trainings (v.a. Aquajogging) kann ich, Ende Dezember, wieder kurze Dauerläufe machen, und hoffe, das 2010 Besserung bringt!